L'intervista

Interview mit Marino Bundi

PIETRO CARLETTI - 13/03/2026

Marino Bundi

Zwischen Finanzen, Hochschuldidaktik und nächtlichen Auftritten mit einem neunzigjährigen Baritonsaxofon vereint Marino Bundi eine seltene Koexistenz von analytischer Strenge und musikalischer Kreativität. Seine Stimme ist für RMF besonders wertvoll, weil sie mit Klarheit und Wärme zeigt, wie zwei nur scheinbar weit voneinander entfernte Berufungen sich gegenseitig befruchten und einen beruflichen wie menschlichen Weg jenseits gängiger Muster ermöglichen. In diesem Gespräch erzählt er, wie sich seine beiden Laufbahnen miteinander verweben, welche Begegnungen seinen Weg geprägt haben und warum Philanthropie für ihn vor allem eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und den kommenden Generationen bedeutet.

Könnten Sie sich kurz vorstellen und die wichtigsten Stationen nennen, die Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang geprägt haben?

Gerne. Ich heisse Marino Bundi, habe eine glückliche Kindheit im dreisprachigen Kanton Graubünden verbracht und wollte als junger Erwachsener nach Zürich ans Konservatorium, um Musik zu studieren. Aus praktischen, (genauer gesagt ‘überlebenstechnischen’) Gründen habe ich mich aber doch schlussendlich für ein betriebswirtschaftliches Studium entschieden, dabei mich aber musikalisch laufend weitergebildet, u.a. an der Jazzschule Zürich. Mein Berufsleben hat sich dann vor allem in der internationalen Unternehmensberatung im Bereich Finanzen und Informatik abgespielt, bis ich dann vor 15 Jahren als Dozent für Betriebswirtschaft und Finanzen an die Hochschule Luzern wechselte. Meine musikalische Bestimmung hatte ich aber seit jeher im Saxophonklang gefunden, den ich in verschiedensten Formationen vom symphonischen Blasorchester über Pop- und Rockbands bis hin zum Jazztrio vorzugsweise mit meinem 90-jährigen Bariton-Sax hege und pflege.

Sie haben Ihr Leben lang Hochschullehre mit einer aktiven musikalischen Laufbahn verbunden. Wie hat dieses Nebeneinander Sie als Lehrperson und als Künstler geprägt?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Tätigkeit als Hochschuldozent für Finanzen einerseits und als Musiker andererseits auf überraschend positive Weise ergänzen. Beide Bereiche erfordern Disziplin, Struktur und analytisches Denken: Beim Üben und Interpretieren von Musik ebenso wie beim Analysieren von finanziellen Fragestellungen aus der Unternehmenspraxis. Gleichzeitig fördert das Musizieren Kreativität, Intuition und Ausdruck, was auch in der Forschung und Lehre hilfreich sein kann, etwa beim Entwickeln neuer Ideen oder beim anschaulichen Vermitteln komplexer Inhalte. Zudem bietet mir die Musik einen Ausgleich zum akademischen Alltag bieten und hilft, Konzentration, Gelassenheit und die mentale Flexibilität zu stärken. Es kann aber auch durchaus zu ‘erholungstechnischen’ Schwierigkeiten kommen, da die berufliche Tätigkeit am Tag stattfindet, die konzertmässige jedoch in der Nacht.

Rückblickend: Wie haben sich Ihre künstlerische und akademische Laufbahn im Laufe der Zeit entwickelt, und welche Momente waren für diesen doppelten Weg besonders prägend?

Ich muss gestehen, dass ich mich in meinem Berufsleben nie sehr zielorientiert verhalten habe. Vielmehr bin ich – Zufall oder nicht – jeweils von einem Glücksfall zum anderen gestolpert. Meine Neugier auf neue Dinge sowie meine Affinität zur Improvisation haben mir dabei sowohl betriebswirtschaftlich wie auch musikalisch immer wieder neue Horizonte eröffnet. Die wichtigste Erkenntnis, die ich dabei gewonnen hatte, war die Tatsache, dass je mehr ich mich in die jeweilige Materie (Finanzen und auch Musik) vertieft habe, desto mehr haben sich mir neue faszinierende Welten aufgetan.

Was bedeutet Philanthropie für Sie persönlich, und wie hat sie Ihre Werte oder Entscheidungen beeinflusst?

Ich habe sowohl aus wissenschaftlicher Sicht in meiner Tätigkeit bei der Hochschule wie auch aus der Sicht eines Orchesters, das immer wieder auf finanzielle Mittel von Förderern angewiesen ist, die Philantropie kennen und schätzen gelernt. Die gemeinsame Basis ist dabei die gesellschaftliche Wirkung. Die Philanthropie lenkt den Blick darauf, dass Finanzwissen nicht nur der Gewinnmaximierung dient, sondern auch der Verantwortung gegenüber Gesellschaft und zukünftigen Generationen – etwa durch nachhaltige Finanzmodelle, soziale Investitionen oder Bildung. Als Musiker stärkt die Philanthropie den Gedanken, dass Musik nicht nur Kunst, sondern auch ein Mittel zur Verbindung von Menschen und zur Unterstützung von Gemeinschaften ist. Die Kombination aus beiden Rollen kann so Werte wie Grosszügigkeit, Verantwortung, Empathie und Sinnorientierung fördern. Finanzkompetenz ermöglicht dabei wirksame Unterstützung, während Musik emotionale und kulturelle Wirkung entfalten kann.

Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die – wie Sie – eine doppelte Laufbahn als Künstler und Lehrende anstreben?

Lieber junger Mensch. Versuche, beide Bereiche ernsthaft, konsequent und mit Herzblut zu pflegen, Hürden und Rückschläge gehören dazu. Lerne Dich zu organisieren, plane dabei auch die Erholung mit ein. Nutze Dein betriebswirtschaftliches Wissen auch in der Musik, beispielsweise für Projektorganisation, Marketing, Konzertplanung oder Kulturmanagement. Es kann Phasen geben, in denen einer der beiden Bereiche mehr Aufmerksamkeit verlangt. Flexibilität hilft, beide Wege miteinander zu verbinden. Kontakte zu Musikerinnen, Musikern und Kulturschaffenden sowie zu Menschen aus Wirtschaft und Wissenschaft können wertvolle Möglichkeiten eröffnen. Der wichtigste Motor für beide Karrieren ist aber die Begeisterung! Wenn Freude an Musik und Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen erhalten bleiben, wirkt die Kombination langfristig sehr bereichernd.